Was die Fundkiste über den Zustand unserer Gesellschaft sagt

Große Worte, ich weiß. Aber sie sind berechtigt.

Ein Gang in den Schulkeller hat mich gestern in tiefe Sorge um die Zukunft Deutschlands gestürzt. Wobei Gleiches wohl für sämtliche 1. Welt Länder gilt. Aber was ist denn überhaupt los?

Ich bin auf der Suche. Nicht nach dem Sinn des Lebens. Also, auch. Aber vor allem nach Sachen. Turnschuhen, Mützen, Brillen, Jacken… um nur die Objekte der letzten Wochen zu nennen. Die Suche treibt mich zu den Fundkisten diverser Institutionen, die meine Kinder besuchen. Vorrangig die Schule. Aber auch Fußball- und Tennisvereine haben Fundkisten. In denen befindet sich hierzulande und in diesem sehr privilegierten Teil der Stadt ganz erstaunlicherweise das Bruttoinlandsprodukt eines Landes wie, sagen wir mal Andorra. Also eher klein. Aber für eine Kiste von 1 x 1 x 1 m ganz ordentlich.

Nagelneue Kleidungsstücke, paarweise Schuhe, ganze Schulranzen, Rucksäcke, Federmappen mit Inhalt – und jedes Teil provoziert die Frage: warum sucht das niemand? Es ist mir ein Rätsel. Genauso, oder umso mehr, frage ich mich, wo die Dinge sind, nach denen ich suche. Die sind nie in den Fundkisten. Wirklich nie.

Geklaut worden? Sehr unwahrscheinlich. Warum sollten Kinder, die es nicht nötig haben, nach ihrer 450 Euro teuren Winterjacke zu suchen, es nötig haben, die getragenen Turnschuhe oder die angenuckelte Trinkflasche meines Sohnes mitzunehmen?

Die gute Nachricht: unsere Kinder klauen (wahrscheinlich) nicht. Die schlechte: es geht ihnen einfach zu gut.

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