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Entweder oder? Sowohl als auch? Wenn oder aber?

Die Wohnfrage entwickelt sich langsam zum Spiegel des generellen Lebenskonzepts. Will ich mitten drin sein, statt nur dabei? Will ich meine Ruhe, bin dafür aber ab vom Schuss? Oder will ich beides, verzichte aber auf die schöne Extras im Leben wie tolle Urlaube, Shoppen und Käffchen mal hier mal da (weil man nur noch für die Miete arbeitet und am Ende nicht mehr viel übrig bleibt). Bleibt man da, wo alle hin wollen oder geht man gerade deshalb woanders hin? Was ist gut für die Kinder (jetzt, in 5 und in 15 Jahren)?

Fragen über Fragen. Und keine Antworten. Nur eine: der Sülldorfer Apfelgarten ist es nicht. Dieses als wunderschön und idyllisch angepriesene Neubauprojekt hat uns am Sonntag den Tag versaut. Direkt am Klövensteen, mit Hofladen in walking distance ( so das Exposé). Die harte Realität: am Arsch der Sülldorfer Landstraße, eine vollgek… Hundewiese von einer Größe, bei der selbst Schildkröten Platzangst bekämen. Ein Witz! Und ich hatte uns dort schon einziehen sehn. Nach dem Motto: wer braucht Ottensen wenn er ein Häuschen am Klövensteen hat? Tja,  n Satz mit x. War wohl nix. Weitermachen. Oder lassen? Hier ist es doch eigentlich am schönsten – da wo wir sind. Wer braucht schon Platz, wenn alle sich lieb haben?

Stadt? Land? Fluss!

Am Wochenende war ich in Lingen bei meinen Eltern. Heimat möchte ich nicht sagen, obwohl ich dort ab Klasse 5 zur Schule gegangen bin. Heimat bleibt Schleswig-Holstein. Ich bin in Kiel geboren und habe meine ersten Jahre in einem Mini-Dorf bei Geesthacht bei Hamburg verbracht. Aber wo war ich stehengeblieben? Ach ja, im Stau auf der Autobahn Richtung Lingen. Früher war ich einfach nur heilfroh, dort weg zu sein. Kleinstadt und weit und breit nix Großes in Sicht. Münster und Osnabrück jeweils eine Stunde per Auto entfernt. Doch seit einiger Zeit schätze ich zumindest die Wohnsituation dort. Meine Eltern haben eine hübsche Doppelhaushälfte. Für so etwas bezahlt man in Hamburg Groß Flottbek gern 2000 kalt. Und meine liebe Freundin und Lucas Patentante Maike ist im Frühjahr mit Mann und Maus auf einen Resthof gezogen und hat diesen wunderschön renoviert. Ich sag mal so: das Wohnzimmer ist so groß wie unsere Wohnung. Und vor der Tür stehen Pferde, Pflanzen, Pfauen. Die Kinder können gar nicht so weit gucken, wie sie dort rennen könnten. Allerdings fährt man 20 Minuten aus der Stadt (Lingen) dorthin. Wenn ich dort bin, denke ich: „Scheiß auf die zentrale Lage in Hamburg. Zieh raus und genieße Garten und Ruhe.“ Abends dann ein Beitrag über Schiffe im NDR, den mein Schiffverrückter Papa ansieht. Die Moderatorin: „Ich steh hier gerade in Övelgönne und an mir vorbei zieht…“ Ich denke: „Coool, da bin ich zu Hause.“

Am Samstag sehen wir uns eine Altbauwohnung in Ottensen an. Dabei wollen wir eiiiiiiiiiiiigentlich weder Altbau, schon gar nicht ohne Fahrstuhl und Garagenplatz. Aber es ist nur 450 m von unserer jetzigen Wohnung entfernt. Und wir wollen hier ja eigentlich gar nicht nicht weg. Oder wenn schon, dann richtig? Ich weiß es nicht…

Bild: Wiebke