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Kommt, wir woll’n Laterne lahaufen. Nicht.

Es gibt da diese Lüge, die ich einmal im Jahr von mir geben muss. Schlimmer noch: ich muss sie singen: „Kommt, wir woll’n Laterne laufen!“ Stimmt nicht! Wer will das?

Die Wahrheit ist: ich hasse Laterne laufen. Es ist wie ein Elternabend, nur dass es zudem noch dunkel und kalt ist. Meistens regnet es auch noch in Strömen.

Und die Kinder mögen es irgendwie auch nicht. Meinen fällt eine Minute bevor wir los müssen ein, dass das sie ihre Laterne hässlich finden. Nachdem geheult wurde, weil sich so schnell auch keine neue beschaffen lässt, geht die Tortur durch die dunklen Parks und Straßen der Stadt los. Und nach drei Metern kommt: „Ich hab Hunger.“ Nach vier: „Meine Füße tun weh.“ Gut, zweites mag daran liegen, dass das Kind schon bevor es losging, mehrere Kilometer gerannt ist. Es war irgendwo in der Dunkelheit verschwunden, was in mir Panik auslöste und das Kopfkino anknipste. Kind weg, große Suchaktion und Hundertschaften, die wie bei Aktenzeichen XY den Park durchkämmen.

Kind war dann wieder da. Und lief ganz vorne bei der Lehrerin mit, was die zweite Panikattacke auslöste. Ich hatte den Text nicht gelernt, der uns im Vorfeld per Mail und Ranzenpost zugetragen wurde. Mit der Ansage, ihn auswendig zu lernen bis zum Umzug. Gut, Lehrer können wohl nicht aus ihrer Haut. Aber ich auch nicht! Mein schlechtes Gewissen aufgrund des Nichtlernens wirkte wie ein unsichtbarer Abstandhalter zwischen mir und Frau X, die lauthals und engagiert ein Laternelied nach dem anderen schmetterte. So konnte ich mein Kind, das ihr dabei staunend zuhörte, nur zerknirscht aus der Ferne betrachten und hoffen, dass meine Faulheit nicht entlarvt wird.

Nach dem Umzug wird gegessen. Ist mir irgendwie auch ein Rätsel, wieso. Aber scheinbar geht nichts mehr ohne Essen. Die Kinder stopfen sich im Akkord Kekse, Würste und Brezel in die Münder und spülen mit gezuckertem Punsch nach. Dann ist ihnen schlecht. Das ist gut, denn es ist der Zeitpunkt, an dem man gehen darf. Man nimmt sich die Laterne, sofern sie nicht inzwischen in Flammen aufgegangen ist, und flieht nach Hause.

Grundschule Ghetto-style

Letzter Schrei bei Hugo & Friends in der Vorschule sind Minions-Karten. Hugo wollte auch uuuunbedingt welche und mit riesigem Glück habe ich das LETZTE Sammelheft im Zeitschriftenladen im Mercado ergattert. Überglückliches Kind sagt, ich wäre eine tolle Mama.

Dann der Schreck! Hugos Freund wurde von zwei Erstklässlern in der Toilette eingesperrt und dazu erpresst, seine 50 (in Worten: fünfzig) Minions-Karten abzugeben. Hallo!? Das ist Abziehen für Einsteiger! Demnächst ist es der Fußball, dann die Jacke und irgendwann das iPhone! Und wir reden hier nicht von einer Grundschule am sozialen Brennpunkt. Morgens um acht fährt das Bruttosozialprodukt Österreichs in Form von SUVs vor, die kleine Kinder auf den Gehweg ausspucken.

Aber egal. Ich bin einfach schockiert über so viel Gemeinheit. Von Sechsjährigen! Die Mutter von Hugos Freund ist bewundernswert ruhig geblieben und hat dem einen der beiden kleinen Kröten gesagt, er solle die Karten schleunigst wieder zurück geben. Ob ich das so entspannt regeln würde, wenn das jemand mit Hugo macht, bezweifle ich. Eher würde ich ihn anschreien: „Tatata bala tu!!!!!!!!!!!!“ Das ist Minions-Sprache und heißt „Ich hasse Dich!“ Etwas Ähnliches hat Hugo zu mir gesagt, als ich ihm heut morgen verbot, die Karten mit in die Schule zu nehmen. So schnell ist mein kurz vorher erworbener Status der tollen Mama wieder verloren. Tank yu, kleine Erstklässlerkröten.

minions-wide  Bild: mydealz.de