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Marcie and I

Letztens hielt neben mir auf der Straße ein leicht klappriger Polo an. Eine Frau guckte durch das offene Fenster zu uns rüber.

„Darf ich Dich mal was fragen?“ Klaro!

„Ist das die Marcie von Chloé?“ Hä? Achso. „Ja!“

„Würdest Du die noch mal kaufen?“ Es folgte eine Fachkonversation über Handtaschen, die mit einer klaren Empfehlung für die Marcie in Small endete. Fröhlich winkend verabschiedeten wir uns. Und ich blieb zurück mit der Frage, was diese Szene über mein Leben sagt? Was über mich? Meinen Wohnort? Oder interpretiere ich da jetzt zuviel hinein? Bei meinen Eltern auf der Straße wäre mir die Frage so sicher nicht gestellt worden. Am Neuen Wall sicher auch nicht, wenn auch aus anderen Gründen. Wahrscheinlich war es einfach eine nette Anekdote, die man in seinem Blog erzählt, nichts weiter. Vielleicht interessiert sie Euch auch gar nicht. Dann entschuldige ich mich hiermit.

Das Internet zeigt unser wahres Ich.

Sehr interessant: während ich hier nach dem geeigneten Outfit für eine Sommerhochzeit fahnde, ist mein Mann, inspiriert vom zeitgleich stattfindenden EM-Spiel Kroatien – Spanien, unterwegs auf der Homepage des Restaurants Dubrovnik. Kroatische Köstlichkeiten gibt es ihm hier in Hamburg nämlich viel zu selten. In seiner Heimat befindet sich mindestens eine Vertretung an jeder Ecke. Vor unserem Kennenlernen hielt ich ein Rasnici-Schwert (der Kassenschlager seines heimatlichen Dorfkroatens) noch für ein Requisit des Dschingis Khan Videodrehs.

Während IHM also beim Anblick der Kroatia Pfanne das Wasser im Munde zusammenläuft, schüttelts mich bei dem Gedanken an Teller voller Fleischberge. Meine Augen hingegen beginnen zu leuchten und der Kreditkartenzückreflex setzt ein, wenn ich diese handschuhweichen Ballerinas von Chloé betrachte. ER findet diese Art von Schuhe zum Weglaufen.

Wie kann das schon seit über 10 Jahren gut gehen? Alle paar Monate verdrücken wir gemeinsam Fleischberge und Djuwetschreis, wobei ich zur ausgleichenden Gerechtigkeit meine Ballerinas unterm Tisch parken darf. Und in der Zwischenzeit surfen wir im Netz, um unsere unsäglichen Gelüste heimlich auszuleben. Was wären wir nur ohne Internet! Dann müsste ich jetzt tatsächlich Fußball gucken…

Foto: Net-a-porter