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Kaum gedacht, schon zerkracht

Da war er wieder! Der Moment, in dem man denkt: alles toll. Und im nächsten macht es Ätsch, das Schicksal. So war es gestern. Wir kamen nach Hause und es war friedlich. Keine Dramen, keine verlorenen Mützen, glückliche Kinder. Dazu noch ein glückliches Ich, denn die Wohnung war entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit aufgeräumt, gar weihnachtlich dekoriert. Es schien mir, ich hätte alles im Griff. Die Spülmaschine ausgeräumt, die Wäsche gefaltet, die Verabredung für den Abend organisiert. Sogar die Backformen von dem am Sonntag erst gebackenen Geburtstagskuchen waren sauber wieder im Keller verstaut. Ja, so einfach ist mein persönliches Glück. Und so zerbrechlich.

Weil alles so langweilig perfekt war, machte ich den Vorschlag, endlich Lucas Zimmer umzuräumen. Das wollte sie schon ewig und immer hatte ich keine Zeit. Nach dem ersten verrückten Schrank fing Hugo an zu meckern, das sei ungerecht. Er wolle auch umräumen und finge schon mal an. Nach weniger als fünf Minuten hatte ich Chaos in zwei Zimmern. Ach, es sind ja nur die Kinderzimmer, dachte ich. Der Rest ist immer noch wunderschön, dachte ich.

In dieses not-yet-totally-bad-scenario platzte die Mail aus Hugos Schule. Läuse-Alarm. Jaja, da gucken wir gleich mal, dachte ich. Da ist sowieso wieder nix, dachte ich. Denn bisher war zumindest Hugo scheinbar immun gegen derartige Krabbelviech-Attacken.

Es war 18 Uhr. Und 19 Uhr war ich verabredet. Ich bat Hugo ins Bad (!), um das Nichtvorhandensein von Läusen auf seinem Kopf festzustellen. Und wurde leider enttäuscht. Was folgte, war blinder Aktionismus und hektische Schadenbegrenzung. Das Chaos breitete sich aus dem Badezimmer heraus wellenförmig über den Rest der Wohnung aus. Ich ließ es mit fettigem Kopf und einstündiger Verspätung hinter mir und macht mich auf Richtung St. Pauli. Darauf erstmal einen Schnaps, dachte ich. Der und ein echt schöner Abend mit guten Gesprächen bewirkte, dass mir das Chaos, das mich beim Heimkommen erwartete, fast egal war.

Merke 1: Niemals denken, alles sei gut. Das ist der Anfang vom Ende der Ruhe.

Merke 2: Schlimmer geht immer.

Drunter und drüber. Oder: der normale Wahnsinn

Wäre ich ein organisierter Mensch, würde ich an dieser Stelle mal eine Aufstellung davon machen, wie viel Zeit man am Tag mit welcher höchst sinnvollen Tätigkeit verbringt. An erster Stelle würde Aufräumen stehen. Eine echte Beklopptenarbeit. Vorne macht man’s ordentlich und hinten wird es von anderen Familienmitgliedern wieder über den Haufen geschmissen. Oder ich mach es selbst. Wie heute Abend. Gerade die Küche aufgeräumt, dann sollte Hugo noch sein Abendfläschchen kriegen. Bei Nr.1  kam nix raus –  hatte Klümpchen. Also habe ich es umgefüllt in eine andere Flasche mit größerem Loch im Sauger. War zu groß. Hugo jappst, hustet, schreit. Also wieder zurück in die alte Flasche und Loch ein kleines Bisschen vergrößert. Trotzdem zu groß. Japps. Hust. Schrei. Dann Fläschchen Nr. 2 gemacht, mit weniger Breiflocken. Sauger mit Original-Lochung (?) drauf. Wieder kam nix raus. Schrei. Also, unter Geschrei, Fläschchen Nr. 3 ohne Breiflocken. War zu wenig. Also Fläschchen Nr. 4. Das alles begleitet von einer fröhlich summenden Luca auf dem Sofa neben uns. Die wollte dann gern noch ein Honigbrot…

Es folgte: 1. Brei an der Fensterscheibe in der Küche. 2. Nervenzusammenbruch.

Jetzt schlafen beide und sind so zuckersüß!

Bild (übrigens aus Versehen auf dem Kopf): Wiebke (die nix mehr merkt)