Kinder lassen sich je nach Altern in viele Untergattungen einordnen. Die von Jan Weiler entdeckte Gattung des Pubertiers ist wohl die berühmteste.
Ich möchte eine neue hinzufügen, die ich in meinem Habitat „Hamburger Westen“ beobachte. Es sind mir auch schon Sichtungen aus anderen Gebieten Deutschlands und der Welt zu Ohren gekommen. Die Rede ist vom Gapyear-Teenie, lat. Pubertier abiturus backpackeri.
Große Besonderheit: Er ist in der Lage, seine Gestalt zu verändern. Es lassen sich zwei Phasen beobachten. Die Transformationszeit beträgt nur wenige Minuten und wird üblicherweise in Schlafsälen von billigen Hostels vollzogen. Beide Phasen wechseln sich in unregelmäßigen Intervallen ab:
- In der Bewegungsphase ist der Gapyear-Teenie an seinem übergroßen Rückenorgan und einem leicht vorn übergebeugtem Ganz zu erkennen. Da diese Phase manchmal mehrere Tage bei großer Hitze und ohne den Zugang zu fließendem Wasser bestritten werden muss, erkennt man den Gapyear-Teenie zuweilen auch an seinem markanten Duft.
- Ist die Fortbewegung erfolgreich abgeschlossen, tritt der Gapyear-Teenie in die Bleibephase ein. Das große Rückenorgan wird abgelegt, die dadurch geminderte Kapazität zum Mitführen von Gegenständen durch eine punktuelle Schwellung in der Körpermitte oder der Bildung eines Armbeugenbeutels kompensiert. Auch seine Fährte verändert sich: von einer stark profilierten Trekkingschuh- in eine verwaschenen Flip Flop-Spur.
Während die Bewegungsphase eine Zeitspanne von mehreren Stunden bis wenigen Tagen umfasst, ist die Bleibephase, wie der Name schon vermuten lässt, deutlich ausgeprägter.
Um ein vollausgebildeter Gapyear-Teenie zu werden, muss das Pubertier einen Prozess durchleben, den er in seinem eigenen Dialekt mit „Erstmal chillen“ bezeichnet.
Dieser Prozess beginnt mit dem festlichen Akt der Abiturfeier – die formale Erlaubnis, das in den zwölf bzw. dreizehn Jahren zuvor angeeignete Wissen ab sofort wieder vergessen zu können.
Zur Beschleunigung dieses Vorgangs werden im Anschluss große Mengen Alkohol konsumiert.
Der einzige Grund, Alkoholaufnahme und die notwendige Regenerierung zu unterbrechen, ist das Anhäufen von Zahlungsmitteln. Die werden dringend gebraucht, um das angstrebte Dasein als Pubertier abiturus backpackeri möglichst lange aufrecht erhalten zu können. Hat er genug gesammelt und bei verständigen Vertretern der Vor-Boomer-Generation aka Oma und Omi zusätzlich Ressourcen gesichert, macht er sich auf, um möglichst weit entfernte Lebensräume zu erkunden.
Beliebt ist der Großraum Asien, Australien und Neuseeland. Dorthin schwärmen die Vertreter:innen der Gattung aus, um sich in wechselden Konstellationen wieder zu vereinen. Ziel der Zusammenkunft ist das Fortführen der zu Hause angelernten Tätigkeiten Chillen und Saufen.
Die daheimgebliebenen Eltern beobachten das Verhalten des Pubertier abiturus backpackeri mittels neuester Technik wie im Rucksack versteckte Airtags und hoffen auf freiwillig geteilte Informationen der Nachkommen mittels WhatsApp Anrufen und Fotos. Dabei verdrängen sie erfolgreich ihr Wissen darüber, dass diese nur einen Teil der Wahrheit transportieren.

Viel Spaß an alle, die gerade unterwegs sind!
PS: Lasst unsere Bedenken, Warnungen und schlauen Tipps gutmütig über Euch ergehen und vergesst nie: Wir gönnen es & lieben euch von ganzem Herzen.