Das rollende Klischee.

Als ich am Samstag Vormittag in den Zug steige, sitzt neben mir ein kleines, hässliches Teenager-Mädchen, das per Kopfhörer mit irgendeinem Bekannten telefoniert. An ihrer Stimme und Ausdrucksweise erkennt man den IQ. Es fallen Worte und Satzfetzen wie: Papa genervt, bei Mutti auch nicht besser, weil KEVIN da Radau macht, Lehrerin sagt, ich muss mal raus aus dem Ganzen…

Im späteren Gespräch erfahre ich, dass das arme Mädchen total aufgeregt ist, weil sie nach vier Jahren ihre Mama zum ersten Mal wieder sieht. Das passe ja gerade ganz gut, weil ihr Papa ins Krankenhaus müsse wegen seines Raucherbeins. Ein paar Mal zupft sie mich am Ärmel, weil sie die Durchsagen nicht richtig deuten kann und panische Angst davor hat, dass wir eventuell doch umsteigen müssen. Am liebsten hätte ich sie an die Hand genommen. Tat mir richtig leid. Auf dem Bahnsteig habe ich sie dann heimlich beobachtet und konnte erst beruhigt weg gehen, als ich gesehen habe, wie sie ihre Mutter auch tatsächlich gefunden hatte.

Puh, und man selbst hat schlaflose Nächte, weil man dem Kind die achte Milchflasche verweigert hat.

Ein Gedanke zu „Das rollende Klischee.

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