Archiv der Kategorie: Heimat

Woran man merkt, dass man älter wird. Folge Drölfundsiebzigeinhalb.

Die Zeichen des Alterns sind vielfältig (welch lustiges Wort in diesem Zusammenhang). Neben fortgeschrittenem körperlichen Verfall ist die Art der Freizeitgestaltung auf jeden Fall etwas, nach dem sich die Menschen in Altersgruppen einteilen lassen.

Am vergangenen Sonntag haben wir einen Ausflug ins Alte Land zum Äpfelpflücken gemacht. Dort waren wir nicht nur umringt von anderen Familien, die ihren Kindern Auslauf mit pädagogisch wertvollem Mehrwert („Guck mal, so sieht ein Apfel an einem Apfelbaum aus“) bieten wollen. Meine Kinder waren zwar weit mehr an den Apfelgummibärchen im Hofladen als an den Äpfeln am Baum interessiert, aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls gehen wir keine drei Meter, schon treffen wir die ersten bekannten Gesichter. Wenig später dann die nächsten. Und bevor es nach Hause ging waren es insgesamt acht.

„Die Zeiten, in denen man hier niemanden kennt, sind also auch vorbei.“ stellt mein Mann im Auto fest.

„Um niemanden zu treffen, müssten wir in die Schanze fahren.“ mutmaße ich. Und wahrscheinlich habe ich recht. Vor ein paar Jahren kamen wir samstags auf dem Galao-Strich aus dem Grüßen nicht mehr heraus. Heute bewegen wir uns dort völlig unerkannt. Wann wir von dem einen in den anderen Lebensabschnitt gehopst sind, weiß ich nicht. Das ist wohl ein eher fließender Prozess. Irgendwann merkt man, dass es einfach nur anstrengend ist, mit zwei Kleinkindern in einem engen Szenecafé cool abhängend zu brunchen. Man ertappt sich beim vorangehenden Locationscouting bei der Äußerung: „Da können die Kinder schön rumlaufen.“ Oder eben „Da ist es zu eng, da können die Kinder nicht rumlaufen.“ Ignoriert man die unidealen örtlichen Bedingungen und geht trotzdem dorthin, wo man es vor den Kindern geliebt hat, endet man nach hastig runtergewürgtem Rührei und aufgewischten Latte Macchiatos mit hektischen Flecken und von sieben Ruhigstellungskakaos hyperaktiven Kindern. Dann ist es 11 und der Tag noch sehr lang, wobei man selbst schon sehr müde ist. Dann doch lieber raus aufs Land!

Wie ist allerdings die Tatsache einzuordnen: Am Samstag hatten wir völlig vergessen, dass Feiertag und damit jede Einkaufsmöglichkeit geschlossen ist. Ist mir zuletzt als Student passiert, weil es eh egal war, welcher Tag im Kalender stand. Ist das jetzt schon Senilität? Bitte nicht antworten.

Und hier noch etwas Biologie: auch ein Apfel hat Lebensabschnitte. Ob er sich als reife Frucht auch manchmal zu der Zeit als knackige Knospe zurück sehnt?

apfelbaum

Vermieterlüge #12398

Das Haus links im Bild habe ich mal besichtigt. Mit der Absicht, dort eventuell einzuziehen. Das Haus rechts im Bild war damals ein baufälliges, denkmalgeschütztes Haus und soeben verkauft worden.
Vermieter: „Ja, das Haus ist jetzt verkauft. Aber die machen nur das Dach neu.“

Seit einem halben Jahr sieht das Ganze jetzt so aus. Das Gebäude ist komplett entkernt und die Arbeiten bilden gemeinsam mit der Elbchaussee eine Kakophonie der Lautlichkeit.

Neben „Die Fenster sind doppelt verglast, da hören Sie die vierspurige Straße nicht.“ und „Die Schienen hinter ihrem Schlafzimmer sind Flüsterschienen, davon geht keine Geräuschbeeiträchtigung aus“ ist der Satz oben meine Lieblingslüge.

Die spinnen, die Rö… äh Kunden.

Die ganze Welt wird schneller. Die ganze Welt? Nein, ein Laden in einem kleinen Dorf widersetzt sich dem Anspruch der Kunden, alles immer sofort zu bekommen. Aber von vorn: gestern wollte ich mir neue Birkenstock-Latschen kaufen. Bewusst entschied ich mich gegen die Versuchung, sie online zu bestellen und ging in ein alteingesessenes Fachgeschäft für Gesundheitsschuhe hier in Ottensen. Ein dunkler Laden mit Neonbeleuchtung und voll mit dieser Art von Schuhen, die bequem sein MÜSSEN. Denn sonst gäbe es wirklich keinen Grund, die hässlichen Dinger anzuziehen. Ganz hinten in der Ecke steht ein kleines Regal mit den Modellen von Birkenstock, die der Marke den Sprung in die Modewelt ermöglicht haben. Das von mir gesuchte war auch dort, leider in Größe 43. Als ich nach meiner Größe fragte, machte mir die Verkäuferin wenig Hoffnung, ging aber netterweise im Lager nachschauen. Nichts. Auch ein Anruf bei irgendeinem anderen Lager brachte kein anderes Ergebnis. „Kein Problem!“, sagte die nette Dame. „Ich kann sie Ihnen bestellen. Dann haben sie sie zum nächsten Sommer.“

Mutig. Ob die auch den ganzen Tag Zaubertrank trinken, um den Römern, respektive Zalandos und Görtz dieser Welt, zu trotzen? Ich hoffe es für sie. Denn sonst verschwindet auch der Laden bald von der Karte und in die freie Lücke zieht eine weitere Schrecklichkeit wie Cut&Go oder so ein schlimmer Handyshop.

Garten der Generationen

Zwischen diesen beiden Bildern liegen ungefähr 30 Jahre. Auf dem ersten sieht man meine älteste Freundin und mich Ende der 70er Jahre. Auf dem zweiten ihren Sohn und meine Luca im Sommer 2009. Beide Bilder sind im Garten ihrer Eltern so ziemlich an der gleichen Stelle aufgenommen worden, nur aus einer anderen Perspektive. Faszinierend, finde ich. Ein bisschen wie die Bilder aus der Bahncard-Kampagne, nur Generationsübergreifend.

Danke für die Bilder, danke für den Flashback!

Oh Tannenbaum

Seit gestern sind wir Besitzer eines selbst erlegten Tannenbaums. Eine Nordmanntanne, abgesägt im schönen Gut Schönau in Ohe bei Reinbek. Man stellt sich das so idyllisch vor: in den Wald fahren und mit einem Baum zurück kehren. So habe ich es auch noch in Erinnerung. Als ich klein war sind wir jedes Jahr mit Freunden zum Schloss Wotersen gefahren, wo damals die Guldenburgs gedreht wurden. Kennt noch jemand die Serie? Ich habe sie geliebt. Noch mehr als die Schwarzwaldklinik. Mit Nane und Chrisiane Hörbiger als ihre Mutter, Gräfin von Guldenburg.

In meiner Erinnerung hat es immer geschneit, wir sind mit dem Schlitten durch den Wald gefahren, haben Kakao getrunken und irgendwo gab es bestimmt auch Weihnachtsmusik. Bei uns war es so: wir waren unter Zeitdruck, weil Luca um 12 zu einer Geburtstagsparty wollte, Hugo hat die ganze Fahrt gespuckt, der Acker war matschig und ich bin ausgerutscht und in den Dreck gefallen.

Ich hoffe, meine Kinder werden den gestrigen Tag genau so in verklärter Erinnerung behalten wie ich.

Nahtloser Übergang – da kennen wir nix!

Vom Laternenumzug direkt in die Backstube! Am Wochenende wurden die ersten Kekse produziert. Egal, was bis Weihnachten noch alles dazwischen kommt, wir haben Kekse!
Aber die Rolf Zuckowski-Gruselmucken-Weihnachtsbäckerei haben wir dann doch nicht laufen lassen. Luca und ihre Freundin Yara waren sich einig, dass das ja noch viiiiiel zu früh sei. Aber wenn man nicht so genau hinguckt, könnte man glatt meinen, draußen läge Schnee.

Manuela lässt die Puppen Tanzen.

Bei Neonbox Optics kann man derzeit etwas Einzigartiges betrachten. Der Laden ist mir schon öfter durch seine außergewöhnliche Schaufensterdeko aufgefallen. Nun stellen sie dort die Freakheads meiner Bekannten Manuela Tanzen zur Schau. Die Dinger sind wirklich originell, finde ich. Mal was anderes Selbstgemachtes zwischen den ganzen Schnullerbändern, Schlüsselanhängern und Babykissen, die man sonst so präsentiert bekommt. Hut ab! Zu bestaunen sind die Unikate, die nur einen kleinen Ausschnitt der Freakhead-Sippe darstellen, noch bis zum 4. November in der Ottenser Hauptstraße 63 in Hamburg.

Miracoli?

 

Heute zermartere ich mir wieder das Hirn auf der Suche nach einer Kochidee. Nene, es kommt niemand zu Besuch. Es geht einfach um die alltägliche Versorgung der lieben Familie mit Nahrung. Wenn es nach Luca ginge, reicht eine Dose Ravioli und ein Öffner. Hugo verschmäht seit Kurzem meine liebevoll gekochten Reiskreationen und bevorzugt Spaghetti Bolo aus dem Glas. Aber mein mütterliches Engelchen flüstert mir ein schlechtes Gewissen ein: „Es muss selbstgekocht sein!!! Das ist gesünder! Das ist besser! Dann bist Du eine bessere Mutter!“ Und Ehefrau, füge ich automatisch hinzu. Denn auch der Herr Papa mag gern ein warmes Süppchen am Abend. Am besten Low Carb. Auch das noch!

Neben der verfluchten Idee, die nicht kommen will, ist es auch noch das ewige Eingekaufe, das ich verabscheue. Vielleicht sollte ich wirklich mal das Angebot vonKommt essen annehmen. Vielleicht liefern die ja noch heute…

 

Jetzt ist es offiziell: Ottensen ist der beliebteste Stadtteil Hamburgs

Hamse gestern im Fernsehen gesagt. In ähächt (würde Luca sagen). Sollte man sich also freuen, wenn man schon dort wohnt. Mir liegt aber eher ein „Wir waren zuerst hier!“ auf den Lippen. Von wegen Wohnungssuche und so (ich berichtete).

Egal, es gibt ja massenhaft tolle, preis-leistungs-mäßig absolut vorbildliche Wohnungsangebote hier.

Wohnen, wo es am schönsten ist. Ein Prosit auf Ottensen!

Foto: ich