Ausflipping Galore

Warum es manchmal hilft, eine Asi-Mutter zu sein

Gestern. War. Es. Mal. Wieder. Soweit. Weil ich erkältet bin und mich gestern nur physisch anwesend über den Vormittag geröchelt hatte, bin ich früher aus dem Büro gegangen. Logo, dass ich dann nicht (an Schule I und Schule II vorbei) nach Hause fahre, um dann eine knappe Stunde später wieder zurück zu fahren, um die Kinder abzuholen. „Die freuen sich ja auch, wenn ich früher komme.“ dachte ich. Denke ich jedes Mal. Und werde immer wieder auf ein Neues belehrt. Zumindest bei 50% meiner Kinder. Luca hat sich wirklich gefreut. Wenn man

„Warum bist Du schon da?“

„Weil ich mich nicht gut fühle und ich dachte, Du freust Dich.“

„Okay.“

als Freude bezeichnen kann. Hugo sagte, er wolle noch spielen, als er mich sah. Dann, über dreihundert Umwege, kamen wir doch irgendwann in der Garderobe an und es folgte die WoistdieswoistdasziehdeineSchuheandeineSchuheandeineSchuheandeineSchuheanJETZT!!!-Arie. Dann ging der junge Mann einfach wieder zurück in die unendlichen Weiten der Betreuungsräume. Ich wartete. Und wartete. Ich versteckte mich in der Pausenhalle. Und wartete. Irgendwann ging ich zum Auto. Grummelnd. Luca war verwundert über keinen Hugo in meinem Schlepptau. Freundlicher Weise ging sie los, um ihn zu holen. Ich bin natürlich hinterher. Wiedervereinigung in der Garderobe. Hugo erklärt unter Tränen, er habe seinen Schleich-Affen gesucht. Das macht vielleicht Motzgrund Nr. 1 nichtig, ergibt aber einen neuen: Spielsachen gehen in der Schule IMMER verloren, weshalb er sie nicht mitnehmen darf. Motz. Motz. Motz. Das ALLES natürlich unter den Augen und Ohren der anderen Mütter. Die währenddessen verständnis- und liebevoll säuselnd ihre eigene Nachkommenschaft einsammelten.

Auf dem Weg nach Hause hatte ich mich einigermaßen beruhigt. Kurz noch einkaufen, dann erklommen wir voll beladen das Treppenhaus. Da fiel mir das Fehlen von Lucas Roller auf. Den hatten wir in der Schule vergessen. Und im nächsten Moment hatte ich mich vergessen. Die Wohnungstür schloss ich noch auf, dann flogen auch schon Dinge durch die Luft. Noch bevor sie landeten dachte ich: „Scheiße, das waren die Eier.“ und es machte PLATSCH. Zehn Bio-Eier und ein Liter Milch auf Parkett. Gerne hätte ich Euch ein Bild davon gezeigt. Aber Ihr glaubt nicht, wie schnell meine Kinder die Pampe weggewischt haben! Und den ganzen Nachmittag über liefen sie literally on egg shells um mich herum und waren so artig und lieb….

Trotzdem hätte ich heulen können. Wieso passiert das immer nur mir? Andere Mütter flippen nie aus. Eine große Runde Schämen war angesagt. Wirklich! Wenn ich eine andere Mutter so ausflippen gesehen hätte, ich hätte sie in die Klapse gebracht.

Dann sprach ich mit einer Freundin, die Ähnliches von ihrem Tag berichtete. Mit der gleichen Erkenntnis, dass eine überhaupt nicht pädagogisch wertvolle Aktion von ihr den gleichen Effekt hatte: nämlich den gewünschten. Und auch sie meinte, sie wäre die einzige mit solchen Aussetzern.

Dabei fiel mir ein, dass die Hunde von Obdachlosen und Punks ebenfalls immer die folgsamsten und liebsten überhaupt sind während sich mein eigener verwöhnter West-Highland-Terrier, den ich als Kind hatte, trotz Kind gleicher Behandlung einen feuchten Kehricht kümmerte, wenn wir ihn riefen. Nichts gegen Obdachlose und Punks, aber ich wage die Annahme, dass sie ihren Hunden keine teuren Lammfelle kaufen, ihnen Nutella Brote schmieren und ihnen die Pfoten mit Vaseline einschmieren, wenn es draußen friert. Eher gibt es auch mal ein lauteres Wort und nichts zu fressen, wenn grad nichts da ist.

Ist das das Geheimnis von wirkungsvoller Erziehung? Auch mal ungerecht und extrem sein? Und warum glaubt man immer, trotz besseren Wissens, man sei die Einzige mit schwachen Nerven? Wenn ich mir eines wünschen dürfte, wäre es die Abwesenheit dieser Gedanken:

  • andere Mütter haben immer Geduld
  • bei anderen ist es immer aufgeräumt
  • andere vergessen nie etwas

Ich gehe gleich mal ein Vierblättriges Kleeblatt suchen. Und das nächste Mal hole ich meine Kinder nicht spontan früher ab, sondern gehe Kaffeetrinken. Denn von Kindern Dankbarkeit zu erwarten für etwas, worum sie gar nicht gebeten haben, ist – gelinde gesagt – bescheuert.

 

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