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Woran man merkt, dass man älter wird. Folge Drölfundsiebzigeinhalb.

6. Oktober 2015

Die Zeichen des Alterns sind vielfältig (welch lustiges Wort in diesem Zusammenhang). Neben fortgeschrittenem körperlichen Verfall ist die Art der Freizeitgestaltung auf jeden Fall etwas, nach dem sich die Menschen in Altersgruppen einteilen lassen.

Am vergangenen Sonntag haben wir einen Ausflug ins Alte Land zum Äpfelpflücken gemacht. Dort waren wir nicht nur umringt von anderen Familien, die ihren Kindern Auslauf mit pädagogisch wertvollem Mehrwert („Guck mal, so sieht ein Apfel an einem Apfelbaum aus“) bieten wollen. Meine Kinder waren zwar weit mehr an den Apfelgummibärchen im Hofladen als an den Äpfeln am Baum interessiert, aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls gehen wir keine drei Meter, schon treffen wir die ersten bekannten Gesichter. Wenig später dann die nächsten. Und bevor es nach Hause ging waren es insgesamt acht.

„Die Zeiten, in denen man hier niemanden kennt, sind also auch vorbei.“ stellt mein Mann im Auto fest.

„Um niemanden zu treffen, müssten wir in die Schanze fahren.“ mutmaße ich. Und wahrscheinlich habe ich recht. Vor ein paar Jahren kamen wir samstags auf dem Galao-Strich aus dem Grüßen nicht mehr heraus. Heute bewegen wir uns dort völlig unerkannt. Wann wir von dem einen in den anderen Lebensabschnitt gehopst sind, weiß ich nicht. Das ist wohl ein eher fließender Prozess. Irgendwann merkt man, dass es einfach nur anstrengend ist, mit zwei Kleinkindern in einem engen Szenecafé cool abhängend zu brunchen. Man ertappt sich beim vorangehenden Locationscouting bei der Äußerung: „Da können die Kinder schön rumlaufen.“ Oder eben „Da ist es zu eng, da können die Kinder nicht rumlaufen.“ Ignoriert man die unidealen örtlichen Bedingungen und geht trotzdem dorthin, wo man es vor den Kindern geliebt hat, endet man nach hastig runtergewürgtem Rührei und aufgewischten Latte Macchiatos mit hektischen Flecken und von sieben Ruhigstellungskakaos hyperaktiven Kindern. Dann ist es 11 und der Tag noch sehr lang, wobei man selbst schon sehr müde ist. Dann doch lieber raus aufs Land!

Wie ist allerdings die Tatsache einzuordnen: Am Samstag hatten wir völlig vergessen, dass Feiertag und damit jede Einkaufsmöglichkeit geschlossen ist. Ist mir zuletzt als Student passiert, weil es eh egal war, welcher Tag im Kalender stand. Ist das jetzt schon Senilität? Bitte nicht antworten.

Und hier noch etwas Biologie: auch ein Apfel hat Lebensabschnitte. Ob er sich als reife Frucht auch manchmal zu der Zeit als knackige Knospe zurück sehnt?

apfelbaum

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