Die Relativitätstheorie der Schwangerschaft

Mein größtes Mitgefühl gilt zur Zeit – neben den Menschen in Japan natürlich – meiner lieben Britt. So hat sie sich das sicher nicht vorgestellt. Aber ich habe dazu meine ganz eigene Theorie, die ich schon meiner anderen schwangeren und dauerergrünenden Freundin Caro dargelegt habe. Also: meine Schwangerschaften waren beide vorbildlich unaufgeregt. Ich gehöre anscheinend zu der Kategorie Trächtiger, die vollkommen in ihrem Element sind. Außer ein paar Rückenschmerzen war bei mir rein gar nichts zu meckern. Im Gegenteil: meine sonst zu Pickeln neigende Haut zeigte sich glatt wie ein Kinderpopo, meine Haare waren dicht und glänzend wie nie. Ich strahlte aus jeder Pore, fand mich schön und nichts konnte mein Glück trüben. Ich ertappte mich oft dabei, dümmlich vor mich hinzulächeln, wenn ich irgendwo rumspazierte oder radelte. Aaaaaaaaber dann! Nach der Geburt von Luca bekam ich einen richtig schönen Babyblues. Es begann damit, dass die Geburt so rein gar nicht meinen Vorstellungen eines schönen Ereignisses entsprach und ich auch reichlich dämoliert aus der Sache rauskam. Körperliche Schmerzen und Hilflosigkeit angesichts des kleinen Wurmes, der nun komplett von mir abhängig war, trübten das junge Mutterglück erheblich. Ich heulte Rotz und Wasser, ganz zur Verstörung meines Mannes, der immer nur meinte: „Aber wir wollten das doch so.“ Ja, wollten wir. Wollte ich. Aber plötzlich hatte ich Angst. Angst vor dem Kind, Angst vor dem neuen Leben. Ich wollte wieder alles so zurück, wie es vorher war. Zu zweit sein, ohne Verantwortung für ein Menschenleben. Dazu kamen Haarausfall und eine Flut von Pickeln. Eine echte Gemeinheit. Alles schien mir furchtbar hoffnungslos. Was für ein Scheiß! Aber in dem Moment war es so. Zum Glück ging es vorbei, aber es dauerte ein paar Wochen.

Mit Hugo war die Schwangerschaft ebenfalls wie im Bilderbuch. Und sogar der befürchtete Babyblues blieb zunächst aus. Doch dann kam der Zusammenbruch von anderer Seite. Das Baby schrie immer, schlief nie und ich damit auch nicht. Diesmal kam die Depression vor Erschöpfung und ich saß wieder zu Hause und habe geheult.

Darum, liebe Britt, hier meine Theorie: Je blöder die Schwangerschaft, desto sanfter der Start ins Mutterdasein.

Du kriegst Dein Fett jetzt schon ab. Dafür aber eine prima Geburt und ein unkompliziertes Baby, das Dir auch mal Zeit zum Durchatmen lässt. Alles wird gut! Ich drück Dir die Daumen.

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